TRAILTICKER 12 - 2017


Ian Sharman beim Gorge Waterfalls 50, 2016. Foto: Ryan Kaiser





The Fear of Missing Out, kurz FOMO, nennt man die Angst, etwas Entscheidendes, ein besonderes Ereignis oder eine außergewöhnliche Erfahrung zu verpassen. Gerade in den letzten Jahren spricht man von diesem medizinisch nicht anerkannten „Krankheitsbild“ besonders häufig, da die sozialen Netzwerke diese Angst noch schüren. Man starrt immer wieder aufs Handy … aus Angst, bei den „entscheidenden“ Ereignissen abgehängt zu sein.

Jetzt, im Winter, ist gewöhnlich die Zeit, wo Läuferinnen und Läufer die nächste Saison planen. Und da lässt sich ganz häufig auch eine gehörige Portion an FOMO erkennen. Hatte man im Vorjahr einen 50 km Lauf erfolgreich gefinisht, dann müssen es jetzt unbedingt 100 km sein. Und dann gleich – im nächsten Sprung 100 Meilen. Unbedingt den UTMB laufen! Möglichst viele Läufe in einem Jahr!! Immer noch einen draufsetzen!!!

Und dann gibt es Ultraläufer, die so ganz anders denken. Ian Sharman zum Beispiel. Dieser in Oregon lebende Brite hat in diesem Jahr zum vierten mal den Leadville 100 gewonnen – und zum achten mal in Folge den Western States 100 in den Top 10 gefinisht. Im Jahr 2013 gewann er den Grand Slam of Ultratrails (Western States 100, Vermont 100, Leadville 100 und Wasatch Front 100 innerhalb eines Jahres) nach einem spannenden Zweikampf mit Nick Clark. Und 2011 stellte er beim Rocky Raccoon einen neuen, inoffiziellen 100 Meilen Trail-Weltrekord auf, wobei er die fünf Runden unglaublich gleichmäßig lief:  Die letzte Runde war nur wenige Minuten langsamer als die erste.

Dieser Ian Sharman wurde jetzt von Ethan Newberry (Ginger Runner) befragt, wann er denn endlich den Hardrock 100 laufen wolle. Sharman winkte ab – nicht in den nächsten zwei Jahren, weil er sich da lieber noch auf Western States und Leadville konzentrieren will. Hardrock stehe auf seinem Plan ab 2020.

Und Eric Senseman, dessen Coach eben dieser Ian Sharman ist, zitierte nach dem Gewinn des JFK 50 seinen Trainer so: „So lange man seine Leistung über eine bestimmte Distanz weiterhin verbessert, sollte man mit dem Umstieg zur nächsthöheren Distanz warten.

Ian Sharman - ein Profi-Läufer, der sich „Geduld“ auf die Fahnen geschrieben hat. Und der nicht Wasser predigt, aber Wein trinkt. Denn auch er will zunächst einmal den Lauf bei einem Wettbewerb, auf einer bestimmten Strecke perfektionieren, bevor er sich zum nächsten Schritt aufmacht.

Eine Seltenheit in einer Gemeinde von ungeduldigen Crash&Burn Läufern – die zudem oft viel mehr im Mittelpunkt der Medien stehen.

Vielleicht könnte seine Sicht der Dinge einen Denkanstoß bei der Wettkampfplanung für 2018 geben: Auch in den folgenden Jahren wird es Wettkämpfe über 100 km oder 100 Meilen geben. Man MUSS nichts übers Knie brechen. Durch einen systematischen Wettkampfaufbau verpasst man nichts – im Gegenteil: Die Chance ist groß, dass man so mit Erfolgserlebnissen aus den Wettkämpfen geht - und damit mit mehr Motivation und weniger Verletzungen in die nächste Saison.







Saisonende. Während in Mitteleuropa die Laufsaison mit Ausnahme der nun beginnenden Winterserien und dem einen oder anderen Volkslauf zu Ende gegangen ist, wurde auch in den letzten Wochen in den USA und Südafrika noch fleißig gelaufen. Irgendwo auf der Welt ist immer Saison …


Rekorde, Rekorde, Rekorde

Nein, ich meine jetzt keine FKTs. Echte nationale und internationale Rekorde. Es ist nicht ungewöhnlich, dass diese eher in der kühleren Jahreszeit aufgestellt werden. Ungewöhnlich dagegen ist, dass diese von zwei Athletinnen aufgestellt wurden, deren Saison schon gut mit Rennen gefüllt war.

Den Anfang machte Camille Herron beim Tunnel Hill 100 in Illinois. Ein eher unbekanntes Rennen, das seit vier Jahren auf einer stillgelegten Eisenbahntrasse ausgetragen wird. Streckencharakteristik: Relativ flach, breite und ebene Wege. Meist kilometerlang geradeaus. Dieses Rennen hatte sich Camille Herron nach einer recht durchwachsenen Saison herausgesucht, die mit Siegen beim Tarawera 100 in Neuseeland und beim Comrades in Südafrika begann und dann mit zwei DNFs der Marke crash&burn (nach eigenen Angaben allerdings zurückgeführt auf Verletzungen) beim Western States 100 und Leadville 100 weiterging. Gerade die letzten beiden Rennen zeigten, dass Trailrunning wohl doch (noch) nicht das Ding der Athletin vom inzwischen recht dezimierten Team Nike ist. Dass Herron – sollte sie durchkommen – den Tunnel Hill 100 mangels Konkurrenz gewinnen könnte, das war klar. Aber ihr Ziel war ein anderes: Den Weltrekord über 100 Meilen (all surfaces) zu holen. Den hielt seit knapp einem Jahr Gina Slaby, die beim Desert Solstice Invitational 2016 die 100 Meilen in 13:45:49 gelaufen war. Da der Tunnel Hill 100 – wenn auch nicht auf asphaltiertem Kurs – von der USATF auch als Straßenwettkampf sanktioniert ist, bestand gleichzeitig die Möglichkeit, den uralt-Straßenweltrekord von Ann Trason aus dem Jahr 1991 (13:47:42) zu knacken. Beides schaffte Camille Herron – mit 12:40:42 unterbot sie beide vorherige Bestleistungen um mehr als eine Stunde. Interessant ist, dass sie damit auch ungewöhnlich nah an den Weltrekord der Herren (12:08:24, Zach Bitter, 2014) herankam.



Auch Courtney Dauwalter hat ein Wahnsinnsjahr hinter sich. Im letzten Jahr hatte sie schon mit ihrem Sieg beim Run Rabbit Run auf sich aufmerksam gemacht. Dann kassierte sie Ende Februar beim Riverbank One Day den Amerikanischen Rekord über 24 Stunden mit 250,08 km – eine Marke, die Katalin Nagy im Juli in Belfast auf 250,62 km steigerte. Nach weiteren guten Leistungen in kürzeren Rennen, einem erneuten Sieg beim Run Rabbit Run 100 und bei dem erstmals ausgetragenen Moab 240 wurde Courtney Dauwalter dann zu den Soochow International 24 Hour Invitationals eingeladen – ebenso wie die Rekordinhaberin Katalin Nagy. Und hier holte sich Courtney Dauwalter den Amerikanischen Rekord zurück – mit überzeugenden 256,41 km – und verwies Katalin Nagy auf Rang 2 (198,40 km).


Damit nicht genug: Am zweiten Dezemberwochenende findet traditionell in Phoenix, Arizona, das Desert Solstice Invitational statt. Wie in Soochow ist das ein 24-Stunden Wettkampf auf einer Bahn. Sowohl Zach Bitter als auch Camille Herron wollten hier starten – beide mit Blick auf neue Rekorde. Zach Bitter kündigte an, sich an einem neuen Weltrekord über 100 Meilen zu versuchen. Herron dagegen wollte gleich alles abräumen, was es in 24 Stunden zu holen gibt: 50 km, 50 Meilen, 100 km, 12 Stunden, 100 Meilen und 24 Stunden. Zach Bitter startete stark – musste aber nach knapp 61 Meilen aufgeben, da er Probleme mit der Hitze bekommen hatte. Blieb Herron. Die wieder furios loslief. Und furios weiterlief. Sie kassierte den Amerikanischen 50 Meilen Bahnrekord von Donna Perkins (1996, 6:09) mit 5:59, dann den Amerikanischen 100 km Bahnrekord von Ann Trason (1991, 7:50) mit 7:36 und schließlich den 100 km Weltrekord auf der Bahn ebenfalls von Ann Trason (1991, 147,6 km) mit 149,2. Dann war aber Schluss für sie.

Damit hat Herron Ann Trason fast vollständig aus den Rekordlisten verdrängt – aber auch 25 Jahre nach ihrem Karriereende hält diese immer noch den Amerikanischen Rekord über 50km (Bahn) sowie den Weltrekord über 50 Meilen (Straße).


North Face Endurance Challenge 50 Mile, San Francisco

Der TNFEC 50  ist traditionell der letzte Wettkampf der Saison mit hoher Dichte an Topläufern. Für den einen oder anderen mag noch das Kopf-an-Kopf Rennen des letzten Jahres zwischen Zach Miller und Hayden Hawks in Erinnerung sein. Zum ersten mal seit Bestehen dieser Veranstaltung gab es in diesem Jahr deutliche Veränderungen. Zum einen im Datum: Während man früher immer das erste Wochenende im Dezember „gepachtet“ hatte – parallel zu den Lotteries von Western States und Hardrock – war man in diesem Jahr zwei Wochen nach vorn gerückt. Und damit lag der Wettkampf am gleichen Wochenende wie der JFK 50, so dass selbst für Vielstarter kein Doppelstart mehr möglich war. Die größte Veränderung war allerdings die Strecke – man beschränkte sich nicht nur auf die Marine Headlands, sondern führte den Lauf durch den Start in Sausalito und durch das Ziel in Crissy Fields in San Francisco näher an die Stadt heran. Nebenbei bedeutete das, dass der Streckencharakter sich vor allem im Schlußteil stark veränderte – hier gab es nun mit Querung der Golden Gate Bridge und dem Schlußspurt entlang der San Francisco Bay ein längeres und schnelles Asphaltstück.

Trotz Terminwechsel war die Liste der Top-Läufer und Läuferinnen groß, die für den TNFEC 50 gemeldet hatten: Die beiden Ersten des Vorjahres, Zach Miller und Hayden Hawks, waren ebenso dabei wie Max King, Paddy O'Leary, Tim Freriks (der im Oktober einen neuen FKT im Grand Canyon R2R aufgestellt hatte), Mark Hammond (Dritter WSER und Zweiter RRR) und Tofol Castanyer bei den Herren sowie Ida Nilsson, Megan Kimmel, Stephanie Howe-Violett, Clare Gallagher (Gewinnerin CCC) und Anna Mae Flynn bei den Damen.

Bei den Herren setzte sich schon früh ein Trio aus Tim Freriks, Zach Miller und Hayden Hawks ab. Dann – in der zweiten Hälfte des Rennens – stieg Freriks aufs Gaspedal und konnte die Distanz zwischen sich und Miller/Hawks immer mehr vergrößern. So war es in diesem Jahr nicht der packende Zweikampf, sondern eine langsame Entwicklung hin zum Endergebnis: Freriks 13 Minuten vor Miller, und der wiederum 5 Minuten vor Hawks. Freriks krönt damit eine Super Saison, die mit dem Sieg beim Transvulcania schon ideal begonnen hatte.


Bei den Frauen war dagegen die Überraschung groß, als sich an der Spitze keine der erwarteten Top-Favoritinnen, sondern Renee Metivier zeigte. Sie ist noch jung, hatte schon als College-Studentin Leichtathletik betrieben und war dann zum Marathon gewechselt, wo sie eine Bestzeit von 2:27 vorweisen kann. Und nun machte sie schon zum zweiten mal einen Ausflug auf den Trail: Nur wenige Wochen vor dem TNFEC 50 hatte sie den Moab Trail Marathon gewonnen, der gleichzeitig die US-Meisterschaft im Trail-Marathon darstellt. Letztlich wusste man also, dass sie schnell ist und dass sie Trail „kann“. Aber kann sie auch 50 Meilen? Bis zu Meile 23 lag Metivier in Führung, doch Ida Nilsson, die Vorjahressiegerin, ließ sie nie zu weit ziehen. Dann änderte sich das Bild – Metivier konnte das Tempo nicht halten und Nilsson lief beständig weiter – und als die Führenden zum zweiten mal den Cardiac Hill passierten, hatte Nilsson schon einen Vorsprung von drei Minuten auf Metivier herausgelaufen. Nilsson spulte ihr Rennen ohne große Probleme ab – und gewann am Ende zum zweiten Mal in Folge den TNFEC 50. Hinter Nilsson verlor Metivier immer mehr an Boden – letztendlich belegte sie mit 36 Minuten Rückstand auf Nilsson Platz 6 – während sich die starken Berg- und Ultraläuferinnen hinter ihr durch schnelle zweite Hälften weiter nach vorn schoben. Besonders schnell war die zweite Halbzeit bei Clare Gallagher, die mit dem zweiten Platz beim TNFEC 50 ihre gute Leistung beim CCC nochmals bestätigte. Auf Platz 3 und 4 folgten Megan Kimmel und Megan Roche.


Somit endete das Wettkampfjahr, wie es beim Transvulcania begonnen hatte: Mit Siegen für Tim Freriks und Ida Nilsson.
  1. Ida Nilsson (SWE) 7:07:56
  2. Clare Gallagher (USA) 7:12:05
  3. Megan Kimmel (USA) 7:19:27
  1. Tim Freriks (USA) 6:02:26
  2. Zach Miller (USA) 6:15:23
  3. Hayden Hawks (USA) 6:20:39
Die kompletten Ergebnisse findet Ihr hier.


JFK 50

Dieses Jahr fand der traditionsreiche JFK 50 zum ersten mal zeitgleich zum TNFEC 50 statt – somit war ein Start bei beiden Rennen nicht möglich. Aber mal ganz ehrlich: So mancher Spitzenläufer, der das in der Vergangenheit versucht hatte, hat sich daran die Zähne ausgebissen.

Der JFK 50 wurde 1963 erstmals durchgeführt – Produkt einer Fitness-Initiative von John F. Kennedy. Die meisten anderen 50-Meilen Läufe, die auf gleiche Weise entstanden waren, wurden nach der Ermordung von JFK wieder eingestellt. Der JFK 50 in Washington County, Maryland aber hatte Bestand. Und wie bei vielen altgedienten Rennen wird hier nicht der Trail-Aspekt maximiert. Beim JFK 50 werden dagegen drei sehr unterschiedliche Streckenabschnitte zu einem 50-Meilen Rennen aufaddiert: Nach einem kurzen Straßenstück verläuft der JFK 50 die folgenden 13 Meilen über den Appalachian Trail – den Fernwanderweg über den östlichen Bergkamm der USA. Dann folgt ein Marathon entlang des Chesapeake und Ohio Canal auf ebenem und gut laufbarem Untergrund, bevor es für die letzten 8 Meilen auf die Straße geht.

In den drei Vorjahren – von 2014 bis 2016 – hatte Jim Walmsley dieses Rennen dominiert. In diesem Jahr war er nicht gemeldet. Stattdessen ein anderes Mitglied der „Coconino Cowboys“, der Trainingsgruppe von Jim Walsmsley in Flagstaff, AZ: Eric Senseman. Er war zwar auch 2014 und 2015 dabei, musste da aber immer gegenüber Jim Walmsley, aber auch gegenüber anderen Läufer den Kürzeren ziehen. In diesem Jahr war er gut in Form. Er hatte aber auch gute Tips von seinem Coach, dem oben schon erwähnten Ian Sharman, mitbekommen: Möglichst das Stück auf dem Appalachian Trail nutzen, um schon einen Vorsprung herauszulaufen – und den dann über die verbleibende Strecke ins Ziel bringen. Teil 1 des Vorhabens gelang: Am Ende des Teilstücks auf dem Appalachian Trail hatte Senseman etwa eine halbe Minute Vorsprung auf den Zweiten, Michael Owen (Dritter 2016). Alle anderen Läufer hatten die beiden schon um mehr als 10 Minuten abgehängt. Teil 2 des Vorhabens: Auf dem Teilstück am Chesapeake und Ohio Canal außer Sichtweite des Verfolgers zu laufen. Auch das klappte: Als es auf den finalen Straßenabschnitt ging, war der Vorsprung von Senseman auf Owen auf fast 10 Minuten angestiegen. So musste Senseman die Führung auf den verbleibenden Meilen nur noch ins Ziel „retten“, aber das machte er bravourös und siegte mit einem Vorsprung von 17 Minuten auf Owen, der fast noch von Anthony Kunkel (Zweiter 2016) abgefangen worden wäre.

Die gleiche Taktik wie Eric Senseman schien auch Emily Harrison Torrence zu verfolgen: Am Ende des Appalachian Trail hatte sie schon fast 2 Minuten Vorsprung auf Sabrina Little herausgelaufen. Und diesen Vorsprung baute die Läuferin, die nach zwei DNFs beim JFK 50 in Folge (2015 und 2016) schwer mit diesem Rennen haderte, Stück für Stück aus. Am Ende des Chesapeake und Ohio Canal Towpath waren es über 20 Minuten. Und im Ziel dauerte es dann ganze 30 Minuten, bis die Zweite auftauchte. Doch Sabrina Little hatte nicht nur das Duell gegen Emily Torrence verloren, sie schaffte es auch nicht, die Dritte im Rennen, Jacqueline Merritt, entscheidend zu distanzieren. Zwar hatte sie über größte Teile der Strecke zwischen 6 und 9 Minuten Vorsprung auf Merritt, aber das reichte nicht: Mit einem furiosen Endspurt fing Merritt die schwächelnde Sabrina Little auf dem Schlussstück noch ab und schob sich auf Platz 2.


  1. Sabrina Little (USA) 6:27:42
  2. Jacqueline Merritt (USA) 6:57:07
  3. Sabrina Little (USA) 7:01:20
  1. Eric Senseman (USA) 5:46:54
  2. Michael Owen (USA) 6:03:01
  3. Anthony Kunkel (USA) 6:05:36
Die kompletten Ergebnisse findet Ihr hier.







Falls Euch an den Feiertagen oder zwischen den Jahren langweilig ist – man kann ja schließlich nicht immer laufen – oder falls Ihr etwas Motivation braucht, den Weihnachtsgans-gefüllten Körper wieder nach draußen auf den Trail zu bewegen: Hier ist es – das Archiv für Trail- und Ultrarunning Filme. Und falls Ihr Euren Lieblingsfilm dort nicht findet – schickt mir einfach eine e-mail. Ziel ist es, das Archiv fortwährend zu ergänzen und zu aktualisieren.

Im letzten Monat kam ein ganzer Schwung von Trailfilmen raus – von Kurzfilmen über Reportagen bis hin zu längeren Filmen, die interessante Stories erzählen. Hier die aktuellsten:

Conquering the Dragon. Der Film von Richard Heap dokumentiert das Schicksal verschiedener Läufer – von Elite bis zu Back-of-the-Pack – bei der vierten Austragung des Dragon’s Back Race in Wales. Wirklich tolle Bilder der Fells und eine spannende Erzählung des Rennverlaufs dieses Etappenrennens – leider bleibt der spannende Kampf an der Spitze des Männerfeldes ausgeblendet. Lohnt sich aber trotzdem, vor allem wenn man ein Fan des britischen Fellrunning ist.

Breaking 60 - Challenging the Impossible. Von Hong Kong kennt man vor allem Wolkenkratzer und Häuserschluchten. Dabei gibt es in dieser dichtbesiedelten Region wunderschöne Trails. Andre Blumberg hatte eine Idee. Er verknüpfte die 4 bekanntesten Trails in Hong Kong und machte daraus den Four Trails Ultra Challenge. Die hieraus resultierenden 298 Kilometer sind innerhalb von 60 Stunden zu laufen – mit verschiedenen zusätzlichen Hindernissen wie Fähren, Selbstversorgung etc. Robin Lee ist verantwortlich für diesen Film, der den Lauf und die Läufer portraitiert.

Trailpike.  Poet und Fellrunner Geoff Cox hat in diesem Video drei poetische Kurzfilme verknüpft. Sie erinnern an drei Legenden, die Namensgeber für legendäre britische Fellrunning Runden wurden:  Bob Graham, Joss Naylor, Gerry Charnley.

Controlled Silence. Der von Altra gesponserte Eliteathlet Gediminas Grinius war Elitesoldat im internationalen Einsatz – und das hat seine Spuren hinterlassen. Stichwort: Posttraumatische Belastungsstörung. Laufen wurde seine Therapie … aber auch viel mehr. Aus der Therapie wurde eine echte Leidenschaft.

Testing Ourselves. Den meisten ist die Everest-Doppelbesteigung von Kilian Jornet im vergangenen Mai nicht entgangen. Aber davor war Kilian zur Akklimatisation mit seiner Freundin Emelie Forsberg am Cho Oyu. Dieser Film begleitet die beiden beim Besteigungsversuch.

UTWT 2016 - Episode 06 und 07.  Zwei weitere Episoden mit Reportagen über die UTWT-Serie. Sie beleuchten den Western States Endurance Run und den Eiger Ultra Trail 2017 (Episode 06) sowie den UTMB (Episode 07).

Rhythm. Joe Grant liebt es zu laufen. Aber das ist nicht alles. Er tobt sich gerne in der Natur aus. In diesem Film im Herzen der Alpen – wo er auf der Suche nach etwas ist, was er „Rhythmus“ nennt.






  
ZUM ANSCHAUEN:

13. Januar 2018: HURT 100. Er tut weh, dieser HURT 100. Das vielsagende Akronym stammt jedoch von dem Laufclub, der die Veranstaltung seit nunmehr 18 Jahren organisiert: Das Hawaiian Ultra Running Team. Einen großen Auflauf an Eliteathleten kann man hier nicht erwarten, zumal die Strecke technisch sehr schwierig ist und sich eine Woche vorher die ersten Läufer beim Bandera 100 um die Golden Tickets zum Western States 100 schlagen. Dennoch haben immer wieder bekannte Läufer diese 5 Runden über schwierigste Wurzelwege in den Bergen über Honululu unter die Sohlen genommen und waren dabei erfolgreich: Gary Robbins, Goeff Roes, Dylan Bowman, Tracy Garneau, Krissy Moehl und Amy Sproston standen schon ganz oben auf dem Podest. In diesem Jahr kann ich nur einen bekannten Namen im Starterfeld ausmachen: Darcy Piceu, die man vor allem von ihren Erfolgen beim Hardrock 100 kennt. Das Rennen kann man hier verfolgen; ggf. gibt es auch wieder ein Live Video – in diesem Fall werde ich den Link rechtzeitig mitteilen.

14. Januar – 21. Januar 2018: Spine Race. Es ist immer schwierig, Superlative zu verwenden. Die Veranstalter des Spine Race sagen von ihrem Rennen, dass es zu den brutalsten Ausdauerevents der Welt gehört. Das ist sicher korrekt, denn wer bei diesem Rennen startet, muss sich auf unberechenbare und schwierige Wetterverhältnisse entlang des 268 Meilen langen Pennine Way, dem Rückgrat von England, einlassen. Auch in diesem Jahr wird es wieder möglich sein, die Läufer auf diesem langen Weg zu tracken. Hier geht es zum Live-Tracking.

27. Januar 2018: Hong Kong 100 Ultra Trail Race. Mit diesem Rennen beginnt die neue Saison der Ultra Trail World Tour. Daher mischen sich unter die Teilnehmer aus Ost- und Südostasien auch immer viele Eliteläufer aus Europa, USA, Ozeanien und Südafrika. Live kann man das Rennen hier verfolgen. 



ZUM MITLAUFEN: 

In Mitteleuropa klafft traditionell in den Monaten Dezember, Januar und Februar ein großes Loch in den Veranstaltungskalendern. In den Alpen liegt zu viel Schnee, und in den Mittelgebirgen sind die Wetterbedingungen nicht wirklich berechenbar. Aber gehört das nicht auch zu einem Traillauf? Das haben sich auch einige kleinere und größere Organisatoren gesagt und bieten nun mehrere Veranstaltungen an. Die Nachfrage scheint zu stimmen, denn Veranstaltungen wie der Taunus Ultratrail und der Vienna Winter Trail, der „kleine Bruder“ des im November stattfindenden Wien Rundumadum sind schon ausverkauft. Wer noch nach freien Startplätzen sucht, dem kann man folgende Veranstaltungen ans Herz legen:

24.12.2017: Bärenfels-Heiligabendmarathon: 42,5 km, 800 Höhenmeter. Braucht Ihr noch Kartoffeln zum Weihnachtsbraten? Dann nichts wie hin zum Bärenfels-Heiligabendmarathon, der zwischen Nohfelden und Birkenfeld im Hunsrück stattfindet. Auf einem Rundkurs von 8,5km, der fünfmal zu durchlaufen ist, muss man dann nur noch möglichst schnell rennen, denn der Sieger bekommt einen Sack mit 10 Kilo Kartoffeln. Während andere beim Weihnachts-Nahkampf zwischen Christbaum und Geschenketisch sind, zieht es einige Läufer und Läuferinnen in das kleine Dorf Hoppstädten-Weiersbach, wo man sozusagen zu Gast bei Familie Feller ist. Denn diese laufverrückte Familie schmeißt beim Bärenfels-Heiligabendmarathon die gesamte Organisation – von der Verpflegung bis zur Zeitnahme. Sollte man mal gemacht haben!

28.12.2017: Infinity Loops. Ein ganz neuer Gänsebratenverdauungslauf aus dem Hause Michael Frenz/Team Meldeläufer. Michael Frenz ist im Pfälzerwald zu Hause, genauer gesagt in Schopp zwischen Kaiserslautern und Pirmasens. Dort kennt er ziemlich viele Laufrunden – und vier davon, mit den Längen 5, 10, 15 und 20km, müssen je einmal in beide Richtungen – im und gegen den Uhrzeigersinn – abgelaufen werden. Macht zusammen 100 km, die mit den anfallenden 3000 Höhenmetern in 24 Stunden zu absolvieren sind.

13.1.2018: Swiss Snow Walk&Run Arosa.  Doch, man kann auch im Winter in den Alpen laufen, und in Arosa gibt es seit einigen Jahren einen speziellen Wettkampf dafür. Auf mehr oder weniger fest  gewalzten Trails geht es in die Berge – und das auf Strecken zwischen 6 und 21km. Wobei für geübte Trailrunner wahrscheinlich der Weisshorn Snow Trail mit 16,8 km Länge und gut 900m Höhenunterschied die attraktivste Strecke sein dürfte.

24.2.2018: Joker Trail. Heidelberg liegt am südwestlichen Rand des Odenwalds. Der ist nicht so hoch wie der Schwarzwald, aber bei geschickter Streckenführung kann man in 50km 2200 Höhenmeter sammeln. Genau das sind die Rahmendaten des von Michael Frenz geschaffenen Joker Trails. Dieser wird in diesem Jahr zum fünften mal ausgetragen. Den Läufern wird nicht nur abverlangt, dass sie schnell über die Berge kommen – sie müssen sich auch orientieren können, denn die Strecke ist nicht markiert. Wer das Rennen in der Cut-off Zeit schafft, hat auch einen Joker für den UTMB im Ärmel – denn  es gibt 3 Qualifikationspunkte.

21.-25.2.2018: Transgrancanaria. Während es in Mitteleuropa in den Wintermonaten meist nass und kalt ist, gibt es auf den Kanaren viel Sonne bei angenehmen Temperaturen. Und die Flucht nach Gran Canaria, auf die drittgrößte Kanareninsel, sollte man antreten, wenn man schon im Februar einen Trailwettkampf bestreiten will, der nicht von Schnee und Schlamm bestimmt ist. Beim Transgrancanaria kann man zwischen insgesamt 6 Strecken wählen – allerdings sind beim Klassiker (125km) und beim Advanced (64km) nur noch Plätze auf der Warteliste frei. Frei sind dagegen noch Startplätze für die längeren (Transgrancanaria 360° mit ca. 265 km und 16000 Höhenmetern) oder deutlich kürzeren Strecken.









Der Swiss Alpine streicht mit dem K78 seine „klassische“ Strecke

Ende November haben die Veranstalter des Swissalpine das Streckenprogramm für 2018 veröffentlicht. Die größte Überraschung dabei: Die seit 20 Jahren fast unverändert bestehende "Traditionsstrecke" K78 wird gestrichen. Der Veranstalter gab als Begründung an, dass man auf den dramatischen Teilnehmerrückgang beim K78 reagieren wolle. Man gehe davon aus, dass ein Grund für die gesunkene Beliebtheit der hohe Anteil an Straßen und befestigten Wegen auf der ersten Hälfte des K78 ist und wolle außerdem eine "Bereinigung" des großen Angebots vornehmen.

Außerdem wird von Veranstalterseite darauf verwiesen, dass man den K78 nicht ersatzlos gestrichen hat, sondern ihn durch eine etwas längere Trail-Variante (T88) ersetzt hat. Der T88 ist jedoch anders als der alte K78 kein Rundkurs.  Zudem unterscheidet sich der Anspruch an die konditionellen wie technischen Fähigkeiten der Läufer – nicht umsonst weichen die Höhenmeter und die Cutoff-Zeiten des T88 deutlich von denen des K78 ab.

Sicher muss man als Veranstalter auf das veränderte „Konsumverhalten“ der Läufer reagieren. Schade aber, wenn dann Strecken gestrichen werden, die schon seit Jahrzehnten praktisch unverändert bestehen. Denn sie ermöglichen die Laufzeiten von heute mit denen der früheren „Laufhelden“ zu vergleichen.

Ebenfalls gestrichen hat der Veranstalter den T214, aber das wurde nach der Austragung 2017 schon unter vorgehaltener Hand angekündigt. Außerdem wurde nochmal an dem Gesamtkonzept gefeilt.
 Man darf abwarten, ob den Veranstaltern des Swissalpine mit dem T88 die Trendwende gelingt. Denn für das Überangebot sind sie zum Teil selbst schuld - die große Zahl der Strecken und die Klassifizierung in "Runninng", "Trailrunning" und "Walking" macht die Sache nicht gerade übersichtlich, auch das Konzept aus Prolog und Hauptveranstaltung mit einer Woche Abstand entbehrt einer klaren Logik. Ebenso mag es die Teilnehmer verunsichern, wenn 2018 nun schon im dritten Jahr in Folge kräftig am Programm herumgeschraubt wird. Man hätte sich gewünscht, dass der Veranstalter einmal  den  großen Wurf wagt und dann das Konzept für längere Zeit konstant hält.



Noch eine neue Trailserie – und Trailrunning als Teamwettkampf

Salomon hat eine neue Trailserie angekündigt. Neben der UTWT und den Skyrunning-Serien wird es 2018 die Golden Trail Series geben. Sie verknüpft 3 Trailmarathons (Zegama-Aizkorri, Mont Blanc Marathon, Pikes Peak Marathon) mit zwei sub-Marathon Trails (Sierre-Zinal, Ring of Steall Skyrace) und endet mit dem „Grand Final“ beim Otter Trail in Südafrika. Auch hier wird es wieder Preisgelder zu gewinnen geben, allerdings weniger als in den oben genannten Serien. Angesichts dieses neuen Angebots wird es interessant werden, welche Athleten sich für welche Serie entscheiden.

Und ein weiteres, gänzlich neues Format wird 2018 aus der Taufe gehoben: Die Adidas Infinite Trails in Bad Gastein, Österreich. Anders als bei den meisten Trailwettkämpfen geht es hier nicht um Individual-, sondern um Mannschaftsleistungen. Damit wirkt das Event wie ein Hybrid aus Cross-Country und Trailrunning. Jedes Team (Damen, Herren, Mixed-Kategorie) besteht aus drei Läufern/Läuferinnen. Am ersten Tag geht es in einem Prolog zum Stubnerkogel. Die kumulative Platzierung der Teams bestimmt dann die Startreihenfolge für den zweiten Tag, an dem die drei Teammitglieder nacheinander auf drei Schleifen (25km/1900Hm + 57km/3400Hm + 37km/2000Hm) geschickt werden. Insgesamt wird es hier 40.000 Euro Preisgeld zu gewinnen geben.



Kontroverse um Kilian Jornets Everest-Besteigungen

Am Freitag, 8. Dezember, ging ein Raunen durch die Ultrarunning-Community, als Dan Howitt auf der Seite "Mount Everest - the British Story" einen Artikel veröffentlichte, in dem er die beiden Speed-Rekorde von Kilian Jornet am Mount Everest anzweifelt. Letztendlich glaubte Howitt Kilian Jornet überführen zu können, gar nicht bis zum Gipfel des Everest vorgedrungen zu sein. Er argumentierte damit, dass die GPS-Aufzeichnungen frühzeitig abbrechen, kein Foto- oder Filmmaterial präsentiert wurde und es keine Zeugenangaben für die Besteigung gibt bzw. angefragte Zeugen Kilian nicht bei der Besteigung der Gipfelpyramide gesehen haben wollen.

Ian Corless von Talk Ultra hat daraufhin mit Kilian Jornet gesprochen – erste Angaben hat er in einem Post veröffentlicht. Ein ausführliches Interview mit Kilian Jornet zu den Vorwürfen ist  am Freitag, 15.12. bei Talk Ultra erschienen.

Viele haben auf diese Vorwürfe mit Bestürzung reagiert. Auch die Gegendarstellung von Ian Corless steht unter der Prämisse, dass Corless in keinster Weise an den Darstellungen von Jornet zweifelt.
Ob das die richtige Einstellung ist? Da bin ich mir nicht sicher. Zweifel sind meiner Ansicht nach grundsätzlich angebracht – es ist im Sport und bei Besteigungen schon zu viel gelogen worden. Niemand, auch die absoluten "Überflieger" sollten davon nicht ausgenommen werden. Außerdem hat Jornet bzw. Salomon durch den Versuch, über die Filme das Projekt „Summits of my Life“ zu kommerzialisieren, tatsächlich Beweismaterial zurückgehalten. Vielleicht sollte man in Zukunft überlegen, zumindest ein gewisses Maß an Beweisen unmittelbar nach einem solchen Projekt zu veröffentlichen, um Zweifeln den Nährboden zu entziehen.

In diesem Fall verstärken aber noch zwei weitere pikante Details die Annahme, dass die Anschuldigungen von Howitt unberechtigt waren.

Zum einen wurde der Brief mit der Anschuldigung mittlerweile aus dem Netz entfernt.

Und zum zweiten gibt es pikante Details zur Person desjenigen, der Kilian Jornet beschuldigte: Denn Genau dieser Dan Howitt musste wegen fehlender Beweismittel seine eigene Behauptung zurückziehen, im Jahr 2002 die schnellsten Besteigungen am Mt. Rainier und Aconcagua durchgeführt zu haben.






Wer im Winter früh morgens oder spät abends laufen will, kommt um eine Stirnlampe kaum herum. Aber welche Stirnlampe soll es sein? Leider sind sogenannte Tests in einschlägigen Lauf- und Outdoorzeitschriften häufig nicht zielführend, weil Herstellerangaben nicht hinterfragt werden, das Material selbst nur unzureichend getestet wird und ggf. aufgrund von kostenlos zur Verfügung gestellten Produkten Interessenskonflikte bestehen.

Vor kurzem ist mir jedoch ein Blog in die Hände gekommen, in dem geballtes Wissen über Stirnlampen vorhanden ist: trailgierig.com. Der Verfasser dieses Blogs, Ralph Hennrich, macht mit bescheidensten Mitteln sehr klug durchdachte Funktions- und Dauertests bei Stirnlampen ... und nebenbei  lernt man sehr viel darüber, worauf es beim Stirnlampenkauf ankommt.

Aber auch seine anderen Produkttests und –empfehlungen sind unbedingt lesenswert.




Kommentare